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Wenn Zeit zur wichtigsten Währung wird

Zeit

Zeit ist doch echt ein Rätsel, als Kind will sie nicht vergehen, als Teenager interessiert man sich einfach gar nicht dafür, als junger Erwachsener glaubt man, man hat unendlich viel davon und als Eltern hat man einfach nie genug. Mit acht Jahren haben sich sechs Wochen Sommerferien ewig angefühlt und heute frage ich mich, wo das letzte halbe Jahr geblieben ist. Doch Zeit ist noch so viel mehr, denn irgendwie steht sie ja für unsere Existenz, für unser Leben und wir können/dürfen mitentscheiden, was wir mit „unserer Zeit“ so anstellen.

Doch wie schnell befinden wir uns in dieser Tretmühle, wo Zeit etwas lästiges ist. So viele Dinge sind zu tun und eigentlich müssen wir schon wieder gleich unsere Kinder aus der Betreuung/Schule etc. abholen. Der Berg an unerledigten Dinge wird größer, man ist gestresst und hat, wenn dann mal Zeit da ist, keine Kraft mehr, diese zu genießen. Natürlich sind das absolute Luxusprobleme und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich an einem Ort lebe, wo ich mir über so banale Dinge wie Zeit Gedanken machen darf und mich nicht sorgen muss, ob meine Familie was zu essen bekommt, meine Kinder im Kriegsgebiet aufwachsen oder irgendwelchen schrecklichen Epidemien ausgesetzt sind. Dennoch sind wir getrieben und nehmen uns so selten Zeit zu genießen, was das Leben uns geschenkt hat.

Unsere Zeit als Familie ist kurz, Montag bis Freitag fast nicht existent. Was bleibt sind das Wochenende und 30 Urlaubstage im Jahr, die man auch noch dank Schließungstagen von Betreuungseinrichtungen, Schulferien etc. aufteilt. So ist die wenige gemeinsame Zeit,  eines meiner kostbarsten Güter. Ich fiebere ihr zu und hege und pflege sie, wie eine kostbare Pflanze, diese wertvolle Zeit als Familie.

Nach dem Verlust unserer zu früh geborenen Zwillinge, hatte ich 14 Wochen Mutterschutz und bin zu Hause gewesen. Als die erste Trauerphase nachließ und der Mutterschutz sich dem Ende neigte, wollte ich nicht einfach wieder in mein altes Leben (das ja auch eigentlich ganz anders geplant war) zurück. Ich wollte und will mir die Zeit geben, mir zu überlegen, was ich eigentlich vom Leben will. Was ist mir wirklich wichtig? Wie kann ich das mit der Familie vereinbaren? So sind auch die ersten Gedanken einer gemeinsamen Reise durch die Welt entstanden. Dabei ist mir nicht wichtig, möglichst viele Orte zu sehen, sondern diese kostbare gemeinsame Zeit, an schönen Orten gemeinsam zu verbringen.

Durch unseren Verlust ist mir Sterblichkeit bewusst geworden, wir haben nicht ewig Zeit unser Leben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Wir wissen nicht einmal wie viel Zeit wir haben. Das weiß keiner von uns und um so wichtiger finde ich, ist es, diese Zeit genau so zu gestalten wie es für jeden Einzelnen richtig ist und auch ein wenig dankbar dafür zu sein, dass wir dieses Privileg „Zeit“ haben. 

Ich versuche nun meine Zeit mit meinem Sohn viel bewusster wahrzunehmen und ihn zu lassen, wenn er wieder ewig braucht, um einen Weg zurückzulegen oder sich die Hose anzuziehen. Den Moment Abend zu genießen, wenn er noch fünf Minuten kuscheln will und dann noch füüüüüünf Minuten gekrault werden möchte, denn auch diese Zeit ist ja so verdammt kurz. 

Zeit mit meinem Mann ist mir so verdammt wichtig! Als Eltern konzentrieren wir unsere Zeit meist auf das Familienleben und die Arbeitswelt, aber da gibt es ja noch diese wichtige Zeit für uns und auch diese Zeit für einen selbst. Wo soll man die nur hernehmen, all diese Zeit zwischen Hausarbeit, Arbeit, Kindern und sozialem Leben? Die Antwort darauf kenne ich nicht, aber ich fange an mir zu überlegen, welche Zeit mir besonders wichtig ist, was kann ich streichen von meinen langen To-Do Listen, mit welchen Menschen verbringe ich wirklich gerne Zeit, wie soll sie aussehen die Familienzeit?

Meine Zeit-Highlights sind, dass mein Mann und ich uns einmal in der Woche zum Mittagslunch treffen. Diese eine Stunde Mittagspause zu zweit, ist so wertvoll geworden für mich. Ich gönne mir einmal in der Woche eine Stunde Pilates mit anschließender Sauna und auch diese Zeit, nur für mich und meinen Körper, schätze und liebe ich genauso, wie meine abendliche Zeit mit meinem Sohn. Wo er mir von seinem Tag erzählt und wir Quatsch machen und toben. Wo wir, er und ich, sein können, so wie wir es wollen. Unser ausgiebiges Frühstück am Wochenende zu dritt, mit Brötchen und Nutella, mit Musik und viel guter Laune. Oh mann ich freue mich so, wenn wir auf Reisen gehen und wir so viel Zeit haben werden. 

Nehmen wir uns also Zeit, für uns und unsere Kinder, für unsere Partner und für unsere Freunde und vielleicht auch für den ein oder anderen Fremden.

 

Tags : FamilienzeitLebenLebenslustZeit

2 Kommentare

  1. Wirklich schön geschrieben. Wahrscheinlich geht es vielen Familien mit kleinen Kindern so wie Dir. Als junger Papa merke ich auch, wie wenig Zeit man hat um für die Lieben da zu sein. Prioritäten setzen, ist ein gutes Stichwort. Ich wünsche Euch alles Gute!

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