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Der Stoff, aus dem unsere Träume sind – wo ist noch mal weit, weit weg?

Als ich ein junges Mädel Anfang Zwanzig war, verschlang ich Paulo Coelho. In einem seiner Bücher stand, man müsse mehr Träume haben, als die Realität zerstören kann. Damals wusste ich noch nicht, wie wahr dieser Satz einmal für mich werden würde.

Hätte man mich Mitte letzten Jahres gefragt, wie ich mir mein Leben in den nächsten zehn Jahren so vorstelle, hätte ich ganz präzise antworten können. Doch dann traf uns ein schwerer Schicksalsschlag und alles wurde anders. Unsere viel zu früh geborenen Zwillinge starben kurz nach der Geburt und unser Plan, wie unser Leben weitergehen soll, irgendwie mit ihnen.

Als wir erfuhren, dass wir Zwillinge erwarteten, war das erstmal ein Schock. Würden wir dem gewachsen sein? Und was wir jetzt alles nicht mehr tun können, worauf wir verzichten müssen würden. Hätten wir da schon gewusst, was auf uns zu kommt… So suchten wir nun fleißig nach einem VW Bus und planten, wieder in die Nähe der Familie zu ziehen, denn alleine trauten wir es uns nicht zu, ein Kleinkind und Zwillinge großzuziehen. Eineiige noch dazu. Doch dann kam die 24. Schwangerschaftswoche, die viel zu frühe Geburt und unsere Welt brach in sich zusammen, mit all den neuen Plänen. 

Dass es uns erst einmal in die Knie zwang und wir auch ein wenig brauchten, um wieder vorwärts zu blicken, wird jeder verstehen, der Kinder hat. Wir trugen unsere beiden Kinder zu Grabe und kämpften uns mit unserem wunderbaren Sohn wieder zurück ins Leben. Da waren auch wieder alle die Dinge, die wir nun ja doch tun könnten, aber dann geht das Leben einfach weiter und weiter.

Als nach drei Monaten mein Mutterschutz endete und ich wieder zurück in den Job hätte gehen müssen, da war mir klar – so will ich nicht leben. Nur, wie ich leben will, das ist mir noch immer nicht ganz klar. Ich weiß, ich möchte meine Familie bei mir haben, möchte mit meinem Sohn lachen können und ihn in den Arm nehmen, wenn er Trost braucht. Aber ich möchte ihm auch nicht die Bürde auferlegen, für mein Glück verantwortlich zu sein. Dafür ist jeder für sich selbst verantwortlich.

In mir wuchs dieser Wunsch nach einem neuen „Projekt“, etwas, auf das ich mich stürzen kann, neue Pläne schmieden, Dinge tun, die mich erfüllen. Ich möchte reisen, mit meinem Mann und meinem Sohn die Welt und neue Perspektiven entdecken, Zeit haben mit- und füreinander, meinen Mann wieder auf der Gitarre spielen hören, Zeit haben für all die wirklich wichtigen Dinge und die schönen Momente im Leben.

Zurzeit haben wir viele Möglichkeiten, unser Leben neu zu gestalten, doch wo unsere „Reise“ hingehen soll, das wissen wir noch nicht. Haben wir den Mut uns loszueisen vom Alltag, Sicherheiten aufzugeben, einen Schritt ins Unbekannte zu wagen? Eine Weltreise, eine Europareise? Oder eher ein Umzug in eine neue Stadt, neuer Job, neuer Start? Oder leben wir unser Leben einfach weiter – einfach so?

Tags : GedankeTräumeWeltreise mit Kind

6 Kommentare

  1. Hey Liebes!

    Viele Jahre bzw. Jahrzehnte ist es her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Über Facebook bekommt man zwischen dem ganzen unnützen Zeug die wirklich wichtigen und bewegenden Dinge gar nicht mit. Was Dir als Mama und Euch als Familie da widefahren ist, tut mir unendlich leid! Das Ausmaß des Schmerzes kann ich mir kaum vorstellen, aber selbst das reicht schon. Ich finde es ganz, ganz toll, wie Ihr damit umgeht, Euch aufrappelt und die schönen Momente des Familiendaseins genießt. Deinen Wunsch, etwas zu ändern, mehr Zeit mit denen zu verbringen, die Du liebst und mit den Dingen, die Du liebst, kann ich absolut nachvollziehen. Auch ohne Kinder und ohne einen so schlimmen Schicksalsschlag ist in mir der gleiche Gedanke über die Jahre gewachsen. Und auch ich habe noch keinen Plan, wie genau ich das umsetze bzw. umsetzen kann, aber das wird schon irgendwie klappen 🙂

    Dir und Euch wünsche ich auf diesem Weg alles Glück dieser Welt! Die Liebe habt Ihr schon, das ist das wichtigste, das andere wird sich fügen. Bleibt weiterhin so stark wie bisher und macht Euer Ding, Ihr scheint Euch durch nichts entmutigen zu lassen und den Mutigen steht die Welt offen, wie es so schön heißt.

    Auf bald, sei‘ lieb gegrüßt!

    Miri – aus der Grundschule 😉

    1. Liebe Miri, wie schön von Dir zu hören und vielen Dank für die schönen Worte. Wir wollen weiter mutig sein und das Leben nehmen wie es kommt. Halt mich auf dem Laufenden, ob es Dir gelingt einen Weg zu finden, deinen Plan umzusetzen. Wer weiß vielleicht treffen wir uns ja dann irgendwo auf dieser Welt 🙂 Viele liebe Grüße Sabrina

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