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Drei Jahre Mama – von der Partyqueen zur Spießerin

Von der Partyqueen zur spiesserfrau

Letzte Woche haben wir den dritten Geburtstag unseres Sohnes gefeiert und ich feiere diesen Tag innerlich auch als meinen (Zweit-)Geburtstag, als den Tag, an dem ich Mama wurde (hoch die Tassen, ich pack‘ den Schampus aus!). Im Leben gibt es ja viele Dinge, die man das erste Mal macht, aber kaum eines empfand ich als so einschneidend wie den Tag, an dem ich Mama wurde (welch Überraschung). So viel Glück, so viel Liebe, so viel Angst, so viel Stolz, so viele Emotionen, die wie eine riesige Welle auf mich einbrachen. Ich habe mich verändert, habe meine Prioritäten verschoben und meine Gedanken neu geordnet. Natürlich bin ich immer noch ich, aber eben ein ganz anderes Ich.

Von der Partyqueen zur Spießerin?

Irgendwie bin ich echt ein kleiner Spießer geworden. Hätte ich nie gedacht, ist aber so und ich fühle mich auch meistens wohl dabei.

Ich schimpfe über Autos, die mit 35 km/h durch die 30er Zone fahren, über rauchende Menschen auf der Terrasse von Restaurants und über Leute, die ihren Müll auf die Straße schmeißen. Ich freue mich sehr, wenn ich es schaffe um 22:00 Uhr ins Bett zu gehen, denn dann ist die Chance „ausgeschlafen“ aufzuwachen immerhin bei 5 %. Ich gucke regelmäßig die Tagesschau und Tatort. Wir wohnen am Stadtrand im Reihenmittelhaus und in die City fahre ich nur im Notfall. Betrinken geht nur, wenn das Kind weit weg ist (also eigentlich nie). Ich kaufe fast ausschließlich Bio-Produkte sowie Dinkelmehl & Co. – wenn das nicht nach Spießer schreit.

Wie konnte es nur soweit kommen?

Kurz nach der Geburt hatte ich das Gefühl „Frau sein“ erst einmal verloren und bin ganz in der Mutterrolle und den dazu gewonnenen Pfunden versunken. Ich habe mich und auch meine Partnerschaft vernachlässigt und war nur auf mein Baby fokussiert, hinzu kamen Schlafmangel, ungeahnte Ängste und Hilflosigkeit gepaart mit dieser unfassbaren Liebe. Das alles, hat mich für die Menschen in meiner Nähe wohl erst einmal schwer erträglich gemacht. Dank meiner Familie und einer wirklich tollen Hebamme, habe ich aber einen Weg gefunden, mit all dem umzugehen und trotzdem noch auf mich und mein Umfeld zu achten.

Wenn ich nun zurückblicke auf diese erste Zeit, die ich so intensiv mit meinem Kind verbracht habe, bin ich auch froh, dass wir uns diese Zeit genommen haben, gemeinsam hier auf der Welt anzukommen.

Bevor ich Mama wurde, war ich jemand der in den Tag hineinlebte, ich bin grundsätzlich davon ausgegangen, dass immer alles Gut werden würde, was soll schon passieren? – Ich lebe ja schließlich auf der Sonnenseite des Lebens. Mit der Geburt waren mir die Gefahren des Lebens bewusst, wie schnell Autos fahren, welche Pflanzen furchtbar giftig sind und wie gefährlich Spielplätze wirklich sind. Zum Glück, werden Babys als Säuglinge und nicht als Kleinkinder geboren, sonst hätte ich vermutlich nach einer Woche einfach einen Herzinfarkt gehabt.

Man wächst ja glücklicher Weise mit seinen Aufgaben, oh ja! Als ich die ersten Wochen mein vier Kilo Bündel durch die Gegend trug, war ich fix und alle und heute trage ich mein 13 Kilo Zappelpaket notfalls auch ne halbe Stunde, auch mit Gegenwehr! Wer braucht da ein Fitnessstudio, hat man ja eh keine Zeit zu. Immer noch dick, aber mächtig stark!

Die Liebe, der Respekt und die Hochachtung zu meiner Mama sind enorm gewachsen. Ich habe einfach ein ganz anderes Verständnis für sie bekommen und bewundere sie jetzt noch so viel mehr, als ich es eh schon getan habe. Danke Mama!

Ich muss gestehen, dass die körperlichen Veränderungen bei mir ungeahnte Ausmaße angenommen haben und ich immer noch an der Zurückeroberung meiner alten Figur arbeite (langsam und stetig). Leider ist mein erster Gedanke beim Anblick meiner Brüste nicht wie toll meine Stillbeziehung war, sondern was DAS wohl kosten würde? Auch beim Anblick meiner Bauchdecke, muss ich eher an die vielen Sit-ups denken, die noch nötig sind, als an das Gefühl einen Babybauch zu haben. Bereue ich das? Nein, auf keinen Fall, ich wünschte mir nur, ich wäre viel disziplinierter in der Schwangerschaft gewesen.

Neben meinen Oberschenkeln, ist mein Herz am meisten gewachsen. Ich trage so viel Liebe in mir, dass ich manchmal nicht weiß wohin damit. Ich heule bei jeder rührenden Szene im Fernseher und Krimis mit Kindern sind leider passé. Ich bin so dankbar für diese Liebe und Mitgefühl.

Ich war der ungeduldigste Mensch auf der Welt und heute sehe ich meinem Sohn gelassen dabei zu, wie er 20 Minuten für eine Minischüssel Müsli braucht. Er entdeckt die Welt und ich mit ihm, das braucht halt Zeit.

Mit mir hat sich auch mein Freundeskreis verändert, aber ich bin halt weder für Clubbing Nächte, noch für spontane Dates zu haben. Ich geh lieber auf den Spielplatz, als in das neue hippe Café und meine Shoppingtour findet Abends um 22:00 Uhr vor dem Laptop statt.

Ich bin so viel Nachdenklicher geworden, ich mache mir Sorgen um unsere Zukunft und bekomme es mit der Angst zu tun, wenn ich sehe, was Erdogan der Türkei antut oder Trump den Klimawandel einfach als Fake News deklariert. Ich möchte, dass mein Sohn weiß, dass eine Kuh auf der Wiese leben sollte und er von ihr Milch und Fleisch bekommt, dass wir es uns eben nicht leisten wollen, jeden Tag Fleisch zu essen, denn gutes Fleisch ist teuer (zum Glück). Ich möchte, dass mein Sohn unbeschwert aufwachsen kann, dass er ohne Angst durch die Welt geht und Respekt für jeden Menschen und jedes Lebewesen hat, das er auf seine Umwelt achtet und dass das verdammt nochmal jeder tun sollte.

Jede Mama verändert sich auf ihre eigene Weise, die eine mehr, die andere weniger, aber jetzt stehen nicht mehr wir selbst im Mittelpunkt, sondern dieses kleine, schutzbedürftige Wesen, das nur uns (und den Papa) hat.

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre etwas freier, würde das Leben mit Kind lockerer sehen, könnte mehr loslassen, eine richtig coole Mom sein, aber auch ich bin nun mal so wie ich bin und kann nicht aus meiner Haut.

Ich liebe mein Leben so wie es ist, mit all den wunderbaren Menschen, mit all seinen Höhen und Tiefen und ich bin heute echt gerne eine Spießerin, denn die Parties habe ich alle gefeiert, jetzt feiere ich eben Kindergeburtstage.

OK, ich gebe es zu, wenn wir einen Familien-internen Babysitter hätten, würden wir schon öfter die Korken knallen lassen. Jetzt ploppen wir sie halt ganz leise, wenn das Kind schläft 🙂

Was hat das Mama- oder Papasein aus Dir gemacht? Hat sich bei Dir auch so viel verändert wie bei mir oder bist Du noch fast so wie vor der Geburt?

Happy Birthday to myself!

Eure Sabrina

 

 

Tags : 3. GeburtstagGeburtGedankenLiebeMamaseinSpießertum

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